Die Digitalisierung in ultrahoher Auflösung macht Details in Kunstwerken lesbar, die dem bloßen Auge sonst verborgen blieben.
Ausgehend von diesem Prinzip führte Haltadefinizione die Gigapixel-Erfassung der Madonna mit Kind von Ignazio Francesco Muligino durch. Das Meisterwerk von 1692 steht im Mittelpunkt der Ausstellung MIRABILIA GRAPHICA. Die mikrographischen Kalligramme von Ignazio Muligino, die am 18. Juni im Museo Galileo in Florenz eröffnet wurde.
Muliginos Madonna mit Kind ist ein mikrographisches Kalligramm: ein vollständig aus winziger Schrift zusammengesetztes Bild, verdichtet auf einer Fläche von etwa dreißig mal zwanzig Zentimetern, dessen einzelne Schriftzeichen nur mithilfe einer Lupe lesbar sind. Mit bloßem Auge ist zunächst nur das Bild der Jungfrau zu erkennen; bei näherer Betrachtung tritt jedoch das feine Geflecht der Buchstaben aus dem Officium Beatae Mariae Virginis hervor, das dem Bild Gestalt verleiht. Die das Werk umgebende Inschrift fordert die Betrachtenden dazu auf, es cum mycroscopion, also mit einem Mikroskop, zu lesen.

Um eine Datei zu erzeugen, die jeden einzelnen Buchstaben des Kalligramms wiedergibt, führte Haltadefinizione eine Makroaufnahmekampagne in Rastertechnik mit mehr als 200 Einzelaufnahmen durch. Diese wurden anschließend zu einer einzigen Gigapixel-Aufnahme mit 3.000 ppi zusammengesetzt. Die außergewöhnlich hohe Auflösung ermöglicht es, schnell von der Gesamtansicht des Werks zur Lektüre der winzigen einzelnen Schriftzeichen überzugehen.
Die Ausstellung im Museo Galileo ordnet Muliginos Kalligramme in den Kontext der frühen Verbreitung des Mikroskops in Europa ein. Im 17. Jahrhundert wurde das Werk geschaffen, um mithilfe eines wissenschaftlichen Instruments gelesen zu werden, das sichtbar machen konnte, was das menschliche Auge nicht wahrnahm. Heute macht die Gigapixel-Aufnahme diese Erfahrung über die Touchscreen-Station im Ausstellungsrundgang einem breiteren Publikum zugänglich.
Das gemeinsam mit dem Museo Galileo entwickelte Projekt zeigt, wie Aufnahmen in ultrahoher Auflösung neue Wege für Forschung und Vermittlung bei Werken eröffnen können, die ihrem Wesen nach die Grenzen des Sehens ausloten. Unter den bislang realisierten Projekten ist es eines der überzeugendsten Beispiele dafür, wie diese Technologie den Zugang zum kulturellen Erbe verändert.
Die von Filippo Camerota kuratierte und mit Unterstützung der Fondazione CR Firenze realisierte Ausstellung MIRABILIA GRAPHICA. Die mikrographischen Kalligramme von Ignazio Muligino ist bis zum 18. Oktober 2026 im Museo Galileo in Florenz zu sehen.