Bei einem Besuch können Details leicht entgehen: ein Pinselstrich, ein Gesicht, eine zu hoch angebrachte Verzierung, ein Freskoausschnitt, der sich aus der Nähe nur schwer betrachten lässt. Preserving Assisi setzt auch hier an und bietet die Möglichkeit, die Basilika des Heiligen Franziskus in einem anderen Tempo, aus anderen Entfernungen und Perspektiven zu betrachten als bei einem Besuch vor Ort.
Die Plattform wurde am 16. September 2026, im Jahr des 800. Todestages des Heiligen Franziskus, vorgestellt und vereint in einer einzigen digitalen Umgebung ultrahochauflösende Gigapixel-Aufnahmen, virtuelle Rundgänge, 360°-Panoramen, dreidimensionale Vermessungen und ein digitales Archiv. Das Projekt wird von Haltadefinizione und der Generalkustodie des Sacro Convento San Francesco der Franziskaner-Minoriten getragen.

Die Plattform ermöglicht es, sich virtuell durch die Räume des Komplexes zu bewegen und die Freskenzyklen zu erkunden, vom Gesamtblick auf die Architektur bis hin zur Nahansicht einzelner Werke.
Die Gigapixel-Aufnahmen ermöglichen es, Oberflächen und Details mit einer Genauigkeit zu vergrößern, die bei einem normalen Besuch kaum erreichbar ist, während die 360°-Ansichten die Beziehungen zwischen Kunstwerken, Architektur und Raum erfahrbar machen.
Das digitale Angebot soll die Erfahrung eines Besuchs in der Basilika nicht ersetzen. Vielmehr bietet es eine andere Ebene des Zugangs und der Erkenntnis: Man kann zu den Werken zurückkehren, bei einzelnen Details verweilen und Elemente betrachten, die normalerweise nur schwer zugänglich sind.

Fast 8 Milliarden Pixel in einem einzigen Bild
Hinter dem, was online zu sehen ist, steht eine umfangreiche Arbeit zur Erfassung und Verarbeitung der Daten.
Im Rahmen der zwischen 2025 und 2026 durchgeführten Kampagnen entstanden mehr als 27.000 Fotografien, aus denen über 12 TB Daten und 98 finale digitale Assets hervorgingen, darunter Gigapixel-Aufnahmen und 360°-Panoramen.
Zu den bedeutendsten Ergebnissen gehört die neue Gigapixel-Aufnahme der Kreuzigung von Pietro Lorenzetti im südlichen Querhaus der Unterkirche. Die im Juli 2026 entstandene Aufnahme misst 101.627 × 78.170 Pixel und umfasst fast 8 Milliarden Pixel.
Diese Zahlen erhalten ihre eigentliche Bedeutung, sobald man beginnt, das Bild zu erkunden: Beim Heranzoomen werden malerische Details, Oberflächen und Spuren sichtbar, die aus der Entfernung leicht unbemerkt bleiben.
Preserving Assisi ist jedoch nicht nur ein Instrument zur Erkundung. Die während der Kampagnen entstandenen Aufnahmen und Vermessungen dokumentieren den Zustand der Basilika zu einem bestimmten Zeitpunkt und bilden eine Dokumentation, die langfristig genutzt werden kann: für Forschung, Monitoring, Konservierung und Restaurierung.
Dies ist einer der zentralen Aspekte des Projekts: Was es der Öffentlichkeit heute ermöglicht, einem Fresko virtuell ganz nahe zu kommen, kann in Zukunft auch als Vergleichsgrundlage für Wissenschaftler und Restauratoren dienen.

Eine Geschichte, die vor dem digitalen Zeitalter beginnt
Dieser Ansatz der Dokumentation hat weit zurückreichende Wurzeln. In den 1990er-Jahren führte Franco Cosimo Panini Editore für die Reihe Mirabilia Italiae eine umfangreiche fotografische Kampagne in der Basilika durch. Nach dem Erdbeben von 1997 erhielten diese Aufnahmen eine Bedeutung, die weit über das ursprüngliche Verlagsprojekt hinausging: Sie wurden zu einer grundlegenden Referenz für die Wiederzusammensetzung und Restaurierung der beschädigten Fresken.
2009 kehrte Haltadefinizione mit einer Technologie nach Assisi zurück, die damals im Bereich des Kulturerbes noch neu war: der Gigapixel-Technologie. Die 28 Szenen der Geschichten des Heiligen Franziskus in der Oberkirche wurden in ultrahoher Auflösung digitalisiert und eröffneten damit neue Möglichkeiten zur Betrachtung und Erforschung des Freskenzyklus.
Preserving Assisi greift diese Geschichte heute auf und führt sie in eine umfassendere Dimension weiter, indem Bilder, Räume, Vermessungen und Daten in einer einzigen digitalen Umgebung miteinander verbunden werden.
Die Digitalisierungskampagnen werden fortgesetzt. Neue Räume, Kunstwerke und Inhalte werden nach und nach in die Plattform integriert und die digitale Dokumentation des Basilikakomplexes im Laufe der Zeit erweitert.